Wer den Entenpfuhl erhalten will, muss raus aus der Betonpolitik

Der Kreisverband Kurpfalz-Hardt von Bündnis 90/ Die Grünen spricht sich klar gegen einen bis zu 42 ha großen Nasskiesabbau im Bereich des Entenpfuhls auf Gemarkung Schwetzingen aus. Auch wenn es aus Sicht des Klimaschutzes durchaus Gründe gibt, Kies regional zu gewinnen und nicht CO2-intensiv über große Strecken zu transportieren, überwiegen die Argumente gegen die Abholzung der Waldfläche Entenpfuhl und die Neuanlage eines Baggersees zur Kiesgewinnung in einem regional wichtigen Wasserschutzgebiet. Der grüne Kreisverband fordert außerdem eine grüne Baupolitik: Der Flächenfraß durch Siedlungsprojekte muss gebremst werden. Bei Bauprojekten und Baugebieten müssen nachhaltige Baumaterialien bevorzugt werden. Eine Betonpolitik nach dem St.-Florians-Prinzip lehnen die Grünen dagegen strikt ab: Es ist unseriös, die Umweltlasten durch einen ungebremsten Kieshunger einfach durch Kies aus anderen Regionen zu stillen. Stattdessen wollen wir den Kiesverbrauch reduzieren.

Die Schwetzinger Hardt ist ein wichtiges Wasserschutzgebiet für die gesamte Region. Der Zweckverband Wasserversorgung Kurpfalz (ZWK) liefert Trinkwasser nach Mannheim und zukünftig auch nach Heidelberg. Das Trinkwasservorkommen liegt größtenteils unter Wald und ist darum äußerst sauber, während andere Grundwasserbereiche im Rhein-Neckar-Raum entweder durch Fluorverbindungen PFC (in Mannheim) und TFA (in Heidelberg) oder durch Einträge aus der Landwirtschaft verunreinigt sind. Schwetzingen und die umliegenden Gemeinden zählen zu den wenigen Nitrat belasteten Kommunen Baden-Württembergs. Dieses Wasserschutzgebiet Schwetzinger Hardt soll wegen seiner regionalen Bedeutung und auch der Wasserlieferungen nach Heidelberg vergrößert werden, so dass die Kiesabbaufläche in einer zukünftigen Wasserschutzone IIIa liegen würde. In dieser Zone wäre ein Baggersee grundsätzlich unzulässig, es sei denn Beeinträchtigungen können vollständig ausgeschlossen werden. Dies ist aus Sicht der Grünen nicht über Jahrzehnte möglich und die Gefahr von Verunreinigungen ist zu groß. Da sich durch die höheren Wasserentnahmemengen in der Schwetzinger Hardt die Grundwasserströme ändern können, spricht ebenfalls gegen den Kiesabbau: Baggerseen greifen Grundwasserströme ein. Der grüne Kreisverband lehnt darum wegen der Schutzbedürftigkeit des Trinkwassers den Kiesabbau ab.

Die Grünen sprechen sich für eine Erhaltung des Waldes aus. Der artenarme Kiefernstangenwald im Bereich Entenpfuhl ist weder aus Sicht des Naturschutzes noch aus forstwirtschaftlicher Sicht besonders wertvoll. Allerdings: Wald ist Wald. Und Wald ist der beste Grundwasserschutz. Klar ist ebenso, dass nach dem Walderhaltungsgebot bei einer Zerstörung neuer Wald gepflanzt werden müsste, dessen Klimaschutzfunktion möglicherweise sogar größer, die Baumartenmischung naturnäher und klimawandelstabiler werden könnte. Aber die Grünen können nicht erkennen, wo dieser neue Wald – möglichst als kompakte Waldfläche – rund um Schwetzingen entstehen könnte. Es müssten landwirtschaftliche Produktionsflächen aufgeforstet werden. Und das Grundwasser der Schwetzinger Hardt würde sehr wahrscheinlich auch nicht von diesem neuen Wald geschützt.

Wir Grüne wollen eine grüne Baupolitik. Wir wollen weniger Neubau in der Fläche und mehr Innenentwicklung. Denn auch Baugebiete verbrauchen Acker- und Naturflächen, nicht nur Kiesabbauvorhaben. Die Betonpolitik kann und muss beendet werden. Und wenn gebaut wird, dann bitte nachhaltig. Die Herstellung von Beton ist durch den chemischen Umwandlungsprozess extrem klimaschädlich. Darum fordern wir, dass zukünftig bei Neubaugebieten und neuen Bauprojekten bauplanungsrechtlich die Verwendung nachhaltiger Baustoffe vorgeschrieben wird. Wir wollen mehr Holz statt Beton.

Wir wollen auch eine grüne Baukultur. Dann kann auch der Kieshunger reduziert werden, denn Beton braucht Zuschläge wie Kies. Und wenn doch Beton verwendet werden muss, dann muss sofern möglich bei Bebauungsplänen oder Ausschreibung die Verwendung von Recycling-Beton festgeschrieben werden. Statt neu gewonnenem Kies, wird qualitativ hochwertiger, aufbereiteter Bauschutt dem Beton zugeschlagen. RC-Beton kann bei fast allen Bauteilen wie normaler Beton verwendet werden. Auch dadurch kann der Kiesbedarf reduziert werden.

Wenn man es richtig macht, werden neue grüne Bauprojekte nicht teurer. Ökologie, Ökonomie und soziale Belange passen auch hier zusammen. Dass diese grüne Baukultur möglich ist, zeigt die Bundesgartenschau in Heilbronn mit vorbildlichen betonarmen und nachhaltigen Bauprojekten. Die Stadt Tübingen setzt aus Gründen des Klimaschutzes konsequent eine Holzbauinitiative um, ebenso wie das Land Baden-Württemberg. Beim Staatlichen Hochbau des Landes wird verstärkt Recyclingbeton eingesetzt.

Sigrid Schüller (Kreissprecherin)
Dr. André Baumann (Kreissprecher)